Patenschaften machen Pilotprojekt in der Komturstraße möglich

Bänke und Pflanztröge stehen in der Komturstraße dort, wo sich einst Autos und Straßenbahn den Raum teilten. Das Garten- und Tiefbauamt (GuT) hat auf Anregung von Anwohnenden sogenannte Pocketgärten angelegt, kleine „Taschengärten“ anstelle von Beton und Asphalt.
(aus Pressemitteilung der Stadt Freiburg vom 25. März 2024)
Ziehen wir Bilanz. Die geplanten Zielsetzungen der Stadt: weniger Durchgangsverkehr, mehr Bürgerbeteiligung bei der Stadtökologie, Aufenthaltsmöglichkeiten für Anwohner und Passanten und Stadtverschönerung sind größtenteils erreicht worden.
Ein wichtiger Punkt, die Verkehrsberuhigung, ist u.a. durch die Pocketgärten zwar erzielt worden, aber leider immer noch nicht zufriedenstellend: Durchgangsverkehr gibt es noch in zu starkem Maße. Ursächlich ist Google Maps. Der Routenplaner weist trotz wiederholter Meldungen des Bürgervereins die Komturstraße immer noch als Option auf dem Weg zum Hauptbahnhof aus. Bleibt zu hoffen, dass durch die vorgezogene Gleisentfernung der VAG (August bis Oktober 2024) eine weitere Beruhigung eintritt. Dank des Umbaus und vor allem dank des Engagements der Anwohner, die Patenschaften übernommen haben, ist die Komturstraße eindeutig attraktiver geworden: Mehr grün statt grau! Neben Blühpflanzen finden sich auch Gemüse wie z.B. Topinambur, Tomaten und Bohnen, alles selbst aus Samen gezogen. Im Herbst ist übrigens eine Tauschbörse für die alten, samenfesten Sorten geplant. Für Interessenten werden wir dann noch einen Aushang mit dem Termin anschlagen und zwar am Erinnerungshalteschild „Zum halben Gleis“ vor der Komturstraße 16.
In diesem Zusammenhang bitte auch beachten: Die Pflanzen gehören Wildbienen und Schmetterlingen und sind zur Freude von Anwohnern und Passanten da und sollten nicht gepflückt werden! Bitte ggf. Personen freundlich aber bestimmt darauf hinweisen.
Die Pocketgärten sind inzwischen zu einem beliebten Treffpunkt der Nachbarn geworden und auch viele Passanten nutzen die Möglichkeit, eine Pause mit Blick auf das Grün einzulegen oder einen Plausch mit den „Gärtnern“ zu halten. Zufällige vorbeikommende Touristen beneiden uns durch die Bank um die Gärten und nehmen die Idee aus Freiburg gerne als Anregung mit! Der Bürgerverein ist zum Thema Pocketgärten auch im regen Austausch mit dem
Garten- und Tiefbauamt. Das Pilotprojekt soll ja der Stadt Erkenntnisse für weitere potentielle Standorte liefern. So haben wir einen wesentlichen Verbesserungsvorschlag bereits eingereicht: Ein Teil der Asphaltgärten könnte von Anwohner in Eigenverantwortung ganzjährig mit Blühpflanzen bestückt
werden. Testeinsaaten unter den Stauden führten bereits zu einem deutlichen Anstieg an Wildbienen und Schmetterlingen. So konnten wir neben Kohlweißling und Zitronenfalter auch Bläulinge und sogar Taubenschwänzchen, Admiral und Kaisermantel beobachten.
Zudem profitieren davon auch Vogelarten wie Amseln, Haussperling, Gartenrotschwanz, Türken- und Ringeltaube und manches Mal lassen sich sogar Zilpzalp, Trauerschnäpper und Turmfalke blicken.
Ein zusätzlicher Nutzen der Pocketgärten ist auch bei Starkregen festzustellen: Die entsiegelten Flächen nehmen als Teil des Schwammstadt-Konzeptes viel Oberflächenwasser auf. Da die Pocketgärten überwiegend in Verlängerung der Baumscheiben angelegt sind, profitieren auch die Schatten spendenden Bäume von der Umgestaltung, bilden mehr Laub und tragen damit stärker zur Abkühlung bei.
Die anfangs von einigen befürchtete nächtliche Lärmbelästigung ist
erfreulicherweise ausgeblieben. Auch Müll wird von den Nutzern von Tisch und Bänken nur selten hinterlassen.
Zigarettenkippen sind das größere Problem! Der durch den Bürgerverein angebrachte Kippenkasten hat das Problem zumindest teilweise entschärft. Bleibt zu hoffen, dass beim endgültigen Umbau der Komturstraße in einigen Jahren die Stadt das Projekt „Pocketgärten“ ausbaut und weitere naturnahe Flächen und Treffpunkte für uns Anwohner schafft. Sollte das Pilotprojekt Komturstraße in den kommenden Jahren auf weitere Straßen in Freiburg übertragen werden, hätte sich auch aus diesem Grund das gemeinsame Engagement der Komtursträßler und deren Unterstützer gelohnt. Die Umwidmung der Komturstraße in eine Wohn- und Spielstraße (kein Durchgangsverkehr, Tempo 20 und Vorrang von Fußgängern vor dem Autoverkehr) wäre letztendlich die Krönung der Umgestaltung und würde die Wohnqualität für alle in der Straße erheblich steigern.
Für Fragen, Ideen und weitere Informationen erreichen Sie uns unter: pocketgaerten@buergerverein-bruehl-beurbarung.de